Freitag, 27. Juni 2014

Get a heart!?

Schon wieder ein Review!? Ja, so was kommt nun vielleicht wieder öfter! Diesmal habe ich mir mal die Standalone Erweiterung Far Cry Blood Dragon zur Brust genommen, da ich sie im aktuellen Steam Summer Sale für wenig Geld geschossen habe. Da sich das Spiel selbst nicht ernst nimmt, versprach der Kauf einen kurzweiligen Shooter mit vielen Anleihen an das Action Kino der 80er, quasi ein B-Movie zum selber spielen. Da kann man doch quasi nichts falsch machen, oder?

Der Trailer machte mich jedenfalls neugierig.



Allgemeines

Die Zukunft! Wir schreiben das Jahr 2007, die Erde ist von Atomkriegen verwüstet und eine neue Generation von Soldaten ist aus den Trümmern gestiegen, die Cyber Commandos.
Moment mal 2007!? Ihr habt richtig gelesen, das Spiel suggeriert einem quasi eine Zukunftsvision aus dem Blickwinkel der 80er in denen der Kalte Krieg von der Nahen Apokalypse zehrte. Das Spiel fährt dabei sämtliche Geschütze an haarsträubenden technologischen Unmöglichkeiten auf und nimmt sich an keiner Stelle wirklich ernst.

Wir sind Rex Power Colt, ein Mark IV Cyborg und wir haben eine Mission! Gemeinsam mit unserem ebenfalls augmentierten Partner werden wir auf eine Insel gesandt, um nach unseres ehemaligen Vorgesetzten zu suchen, der angeblich in dunkle Machenschaften verstrickt ist.
Die Ankunft auf der Insel dient als Tutorial und das ist eines der Highlights des Spiels, denn unser Partner hat unsere Cyborgsoftware so modifiziert, dass wir nur nach und nach Zugang zu unseren Fähigkeiten bekommen, was Rex nicht nur einmal entnervt kommentiert, während die KI in seinem Kopf stur das Trainingsprogramm für Anfänger abspult. Der Humor von Blood Dragon lebt größtenteils von den platten Sprüchen des Hauptcharakters, übertrieben pathetischen Dialogen und einer gehörigen Portion ins lächerliche verdrehtem Patriotismus.
Als wir dann endlich vollen Zugriff auf unsere Fähigkeiten bekommen, wird klar, Rex ist keine zimperliches Kerlchen und es fließt Kubikmeterweise Hydraulikflüßigkeit, was regelmäßig mit trockenen Sprüchen kommentiert wird.
"Gut kauen, es ist Schrot!" - Blood Dragon lebt von den bissigen Kommentaren des Protagonisten
Die Freude wärt jedoch nur kurz, denn mit dem Ende des Tutorials, entlässt und das Spiel mittellos in die offene Inselwelt und wir müssen erst langsam wieder zu alter Stärke kommen. Dies geschieht über Erfahrungspunkte die Rex in Richtung Maximalstufe 30 aufsteigen lassen. Jeder Levelaufstieg belohnt uns mit passiven Fähigkeiten, wie mehr Leben oder besserer Schadensresistenz und die können wir gut gebrauchen, denn die Insel ist kein Ort für ein lauschiges Picknick. Neben den Cyborgs unseres Gegenspielers und der kybernetisch optimierten Fauna, warten auch die namensgebenden Blutdrachen auf ihr Stelldichein.

Diese Biester stellen die gefährlichsten Gegner auf der Insel dar, doch sind gleichzeitig auch die größte taktische Komponente im Spiel. Blutdrachen unterscheiden nämlich nicht zwischen uns oder unserer Gegnern. Sie sind die Krone der Schöpfung und fressen was ihnen vors Maul kommt. Zum Glück haben sie extrem schlechte Augen, was wohl der Tatsache geschuldet ist das diese Laserstrahlen verschießen können. Ja! Laserstrahlen! Aus den Augen! Da bekommt jeder Augenarzt sicher nervöse Zuckungen. Dafür hören und riechen sie um so besser. Riechen!? Ja, und sie lieben den Geruch von frische Cyberherzen. Wir verbringen somit den Großteil der freien Spielzeit damit unseren getöteten Gegnern die mechanisch optimierten Herzen aus der Brust zu reißen was Rex immer und immer wieder mit den selben dummen Sprüchen kommentiert.
Schenk mir ein Herz oder ich verbrenne dich mit meine Laseraugen.
 Leider ein muss, wenn wir die Drachen für unsere Zwecke nutzen wollen, denn ein geschickt geworfenes Herz lockt die Drachen dorthin wo wir sie haben wollen. Wer geschickt spielt, kann sich entspannt zurücklehnen und den Giganten den ganzen Spaß lassen um quasi ohne groß aktiv zu werden eine der zahlreichen Garnisonen einzunehmen. Dies ist zwar optional, doch die Nebenmissionen die man in den Garnisonen bekommen kann schalten Waffenupgrades frei, die das Spiel deutlich erleichtern. Wer jedoch einmal das Sprenggeschoss-Upgrade samt erweitertem Magazin und Automatikmodus für das Scharfschützengewehr freigeschaltet hat, kann bedenkenlos seinen Weg in Richtung Endkampf antreten.

Abseits der recht kurzen Haupthandlung lädt die frei begehbare Insel zum Erkunden ein. Einige Sammelaufgaben können abgearbeitet, simple Nebenquests absolviert oder die Tierwelt der Insel ausgedünnt werden, wofür es neben Geld eben auch die erwähnten Modifikationen für die vier Hauptwaffen, Pistole, Sturmgewehr, Schrotflinte und Scharfschützengewehr gibt. Mehr Waffen kann Rex nicht tragen, doch das ist auch nicht nötig, denn die 3 optionalen Zusatzwaffen (Minigun, Flammenwerfer und Bogen) bringen im späteren Spielverlauf keinen Nutzen mehr, da sie alle nicht aufgerüstet werden können.  Die Nebenquests sind leider wenig motivierend, da sie immer nach dem selben Muster ablaufen - Töte x mit Waffe y oder befreie z.

Irgendwann folgt man nur noch der Haupthandlung und die ist es, die den Reiz des Spiels ausmacht, denn hier fahren Gegner und Rex ihr gesamtes Arsenal auf.

Leider ist die Story schon wieder vorbei bevor man es sich versieht. Schade! Hier hätte man mehr Ressourcen reinstecken können und dafür lieber auf den mäßigen Open World Teil verzichten sollen

Technik

Technisch ist Blood Dragon ein zweischneidiges Schwert. Die Vertonung ist angenehm trashig und die guten deutschen Synchronsprecher scheinen hörbar Spaß gehabt zu haben. Leider wiederholen sich die Kommentare im Kampf viel zu oft und irgendwann möchte man sie einfach nur noch abschalten, was leider nicht geht.

Die Waffengeräusche sind okay und die Musik ist treibend ohne aufdringlich zu sein. Grafisch lässt mich das Spiel jedoch zwiegespalten zurück. Einerseits liefert die Dunia Engine ein starkes Gerüst ab, doch dieses wird bewusst auf retro umgestrickt, was subjektiv gesehen leider nur mäßig gelungen ist. Ich bin zwar kein Grafikfestischist, aber wirklich beeindruckt hat mich das Gesehene, trotz höchtmöglicher Einstellungen nicht und das obwohl ich die pixeligen Zwischensequenzen als durchaus passen empfand, denn diese fangen den B-Movie Charme gekonnt ein.
 Darüber hinaus drückt die ständige Dunkelheit im Spiel auch aufs Gemüt. Aber gut, die Endzeitstimmung wird dadurch recht gut vermittelt.

Keine Macht den Drogen! Kein Spiel ohne Botschaft!
Über die KI kann man weder meckern noch sie loben. Die meisten Gegner sind Kanonenfutter, gehen aber wenigstens in Deckung. Wirklich gefährlich wird uns jedoch später keiner mehr. Selbst Blutdrachen verlieren gegen Spielende gänzlich ihren Schrecken. Für einen Funshooter ist das Spielgefühl jedoch durchaus in Ordnung obwohl die Steurung für einen Shooter recht tastenintensiv ausfällt.

Umfang

Wenn man alles auf der Insel abarbeiten will, ist man gut und gerne 8-10 Stunden beschäftigt. Folgt man alleine der Haupthandlung, was angesichts des zunächst schwachbrünstigen Rex recht schwierig ist, dürfte ein Durchspielen auch in unter 5 Stunden möglich sein. Bei mir flimmerte nach etwa 7 Stunden der Abspannt über den Bildschirm und da hatte ich etwa die Hälfte aller Garnisonen eingenommen.

Zusammenfassung

Blood Dragoon ist Edeltrash mit all seinen Ecken und Kanten. Die Story ist herrlich übertrieben und die Charaktere entsprechend überzeichnet. Viele Klisches werden bedient und allein die Idee die Engine auf retro zu stricken verdient Anerkennung.

Leider mangelt es an der Durchführung. Der Open World Teil wirkt aufgesetzt und überflüssig. Eine längere (gern auch lineare) Kampagne hätte da für mehr Spielspaß gesorgt. Aber für 6 Euro im Sale macht man eigentlich nichts falsch, sofern man Shooter mag und mit dem Setting was anfangen kann.

Der derbe Humor, die trashige Story und das erinnerungswürdige Tutorial retten Blood Dragon gerade so aus der Mittelmäßigkeit. Von mir gibt es 6/10 grüne imperiale Daumen nach oben.
Mehr Haupthandlung und weniger streckendes Beiwerk wären das Salz in der Suppe gewesen. 

Kommentare:

  1. Schöne Rezi. Far Cry und Verwandte sind immer komplett an mir vorbei gegangen. Und das obwohl Til Schweiger da doch diesen tollen Film zu gedreht hat. :D

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    1. Na gut, er hat ihn nicht gedreht, aber er ist trotzdem irgendwie mit schuld.

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    2. Gibt es etwas, an dem Till Schweiger nicht schuld ist? ^^

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  2. Habe ich tatsächlich vor Ewigkeiten auch mal in einem Sale erworben und angespielt. Machte schon gut Spaß, aber absolut ober-geil ist der Soundtrack! Alles andere als originell, aber einfach zum Schwelgen. ;-)

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    1. Jup, die Musik passt wunderbar in das Setting. :)

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Immer schön freundlich! Wer spamt oder rumnörgelt landet schneller im imperialen Papierkorb, als er Hesy-Sa-Neb-Ef sagen kann. ;-)