Dienstag, 24. Mai 2011

Angespielt: The Witcher 2

Mit vorgefertigten Helden ist das in Rollenspielen immer so eine Sache, entweder man bekommt einen supertollen Sunnyboy vorgesetzt, bei dem jeder Hetero-Mann das Kotzen bekommt (z.B. Final Fantasy), oder es ist ein gesichtsloser Nobody mit dem man zwar Spaß haben kann, aber der trotz Entscheidungen des Spielers platt wie ein Crepes bleibt (setze hier nahezu jedes x-beliebige Action RPG ein). The Witcher 2 ist eine der großen Ausnahmen, den mit dem Hexer Gerald kommen sowohl weibliche Spieler als auch harte Jungs voll auf ihre Kosten.



Lehnt euch zurück und lasst euch von mir nach Temerien entführen, denn nun folgen die ersten 10 Stunden die ich in The Witcher 2 verbracht habe, in Stichpunktform kurz umrissen. Das Ganze ist weitgehend Spoilerfrei bzw. kratzt die Ereignisse nur an der Oberfläche an.

Prolog:

  • Hmm, welchen Schwierigkeitsgrad nehme ich denn? Ach Normal sollte ich doch dicke packen. Schließlich spiele ich nicht erst seit Gestern Computerspiele. *klick*
  • Oh, selbst im Kerker wird man von weiblichen Rundungen nicht verschont. *freu*
  • Toll! Rückblenden führen mich stimmungsvoll und mit dem witchertypischen Bettgerangel ins Spiel ein. Auch wenn das Schäferstündchen (leider) jäh unterbrochen wird. 
  • Ich starre mit offenen Mund auf ein Heerlager und eine belagerte Burg. Die Grafik, die Stimmung, die Welt, alles wirkt lebendig und wie aus einem Guß. Klasse!
  • Schmunzelnd übernehme ich die Zielzuweisung für eine Ballliste, die der König selbst bedient
  • Es kommt zum ersten ernsthaften Kampf. Ein Klick hier, ein Klick da und dann liegt Gerald  tot im Dreck. Hmm!
  • Dann soll ich alleine einen Turm stürmen. Ob das wohl gut geht? Ich renne und rolle vorwärts und nur Sekunden später ... wird der letzte Spielstand geladen.
  • Langsam fitze ich mich in die Spielmechanik ein. Ich sterbe deutlich weniger.  ^^
  • Geil ein Drache! Aber wieso brennt mein Hexer plötzlich?
  • 15 Minuten und 10 Tode später bin ich am Drachen vorbei. War eigentlich gar nicht so schwer wenn man weiß wie. ^^
  • Ich betrete einen Tempel durch die Hintertür und laufe einem schwer gepanzerten Ritter und seinen Mannen in die Arme. Ladebildschirm ....
  • Ich beginne verstärkt Zeichen (die Magie in The Witcher 2) einzusetzen und siehe da, das Spiel wird deutlich leichter
  • Die Rückblenden enden und die Story geht richtig los.
  • Die Flucht aus dem Knast ist gelungen und außer dem Folterknecht habe ich niemanden ernsthaft auf die Finger gehauen. Der hat es aber auch verdient gehabt. Man(n) quält schließich keine halbnackten Baronessen. Pfui!
    Gut, sie hatte auch was bei mir gut denn schließlich habe ich ihren Sohn während der Belagerung filetiert, aber das war  ein "ehrliches" Duell, Popeliger Mensch gegen Mutant.
  • Der Prolog endet, ein Schiff bringt mich in den ersten Akt und ich habe das Gefühl, ich werde einige meiner getroffenen Entscheidungen noch bereuen
Akt 1:

  • Die Antagonisten werden eingeführt und ich laufe prompt in einen Hinterhalt gemeiner Eichhörnchen. Was folgt ist in meinen Augen das lustigste Rückzugsgefecht in der Computerspielgeschichte. Allein schon wegen der Dialoge.
  • Gerald und seine Freunde erreichen das Dorf Flotsam und retten zwei alte Bekannte vor dem Galgen. 
  • Ab sofort endet die lineare Einführung und ich kann frei das Gebiet erkunden.
  • Mit einigen Nebenquests in der Tasche verlasse ich das geschützte Dorf und laufe einem so genannten Nekker in die Arme. Och der ist ja winzig, den haut Gerald  mit zwei Schlägen bestimmt aus den Latschen. Klick, Klick, Klick ... Ladebildschirm
  • Ähm peinlich, ohne Silberschwert kann natürlich auch der beste Monsterjäger nix gegen dieses Gesocks anrichten, also auf zum Dorfschmied und Ersatz für die im Prolog verlorene Spezialwaffe besorgt, denn wie auch schon im Vorgänger sind Monster nur für Silberwaffen anfällig, während menschliche Gegnern eine Allergie gegen Stahl haben.
  • Der Nekker liegt im Staub und ich wage mich an eine Gruppe von drei Vertretern dieser Gattung. Ladebildschirm ...
  • Ich spiele kurz mit dem Gedanken den Schwierigkeitsgrad runterzuschrauben verlagere dann aber zunächst meine Prioritäten auf das Dorf. Da gibt es schließlich keine Monster. Naja zumindest keine, die man auf den ersten Blick als solche erkennen kann. ^^
  • In der darauffolgenden Stunde mische ich den örtlichen Fight Club auf, werde Champion im Armdrücken, investiere in das lokale Freudenhaus *räusper* und beende die Rauschmittelverkäufe eines sorglosen Händlers. Dessen Rezeptur könnte ich jetzt an einen zwielichtigen Typen verkaufen entscheide mich aber dagegen. Was natürlich wiederum Konsequenzen hat.
  • Memo an mich: Mein Gerald braucht dringen ein besseres Stahlschwert
  • Gerald ist nun Stufe 8 und ich traue mich erneut vor die Dorfmaueren
  • Bloßer Schwerteinsatz bringt mich nicht weit, aber ich lerne die Vorzüge von Fallen und Bomben zu schätzen
  • Der Wald wirkt trotz fester Pfade dicht, lebendig und bedrohlich. Die Tag-/Nacht-/Wetterwechsel sind einfach grandios umgesetzt worden und haben sogar spielerisch Auswirkungen
  • Im Laufe meiner Streifzüge beende ich die Nekkerplage und lege mich mit einer Endriagen Königin an (Mix aus Spinne und Skorpion) Klick, Klick, Klick ... Ladebildschirm
  • Memo 2 an mich: Frontalangriffe enden in The Witcher 2 oft mit dem Tod.
  • Das Erfolgsgefühl ist überwältigend als auch die zweite Königin ins Gras beißt. So langsam mausert sich mein Gerald zum echten Monsterjäger.
Fazit nach 10 Stunden:
Für mich ist The Witcher 2 das bisher beste (PC) Spiel 2011.

Trotz seines anfänglich recht hohen Schwierigkeitsgrads ist es extrem motivierend. Das liegt in erster Linie an der grandiosen Präsentation und der stimmigen Welt. Vorbei sind die Zeiten von Blümchenfantasy. In Temerien geht es dreckig und rau zu. Entscheidungen haben teilweise weitläufige Auswirklungen, so dass für den nötigen Wiederspielwert gesorgt ist.
Nach gefühlten 200 Toden (vieleicht waren es auch ein paar mehr) habe ich mich in die Spielmechanik eingearbeitet und hatte immer Spaß dabei. Die Lernkurve ist zwar steil, aber wenn man einmal den Dreh raus hat und Geralds Ressourcen zu nutzen weiß ist man (fast) jeder Herrausforderung gewachsen. Warnung: Für unerfahrene Spiele könnte das Frustpotential zu Beginn recht hoch sein. Weicheier schalten dann den Schwierigkeitsgrad auf einfach, aber nicht mit mir. Ich lasse mich doch nicht von einem  als "Normal" titulierten Schwierigkeitsgrad einschüchtern. ^^
Ich freue mich jedenfalls schon auf meinen nächsten Besuch in Flotsam.

Übrigens: Das Gerücht was momentan in den Foren im Umlauf ist stimmt. Das Deaktivieren des Kopierschutzes (der ja eigentlich durch den Day 1 Patch beseitigt werden sollte) bringt wirklich bis zu 25% mehr Frames bei der BoxedVersion des Spiels. Auch die Ladezeiten verkürzen sich spürbar. Was ihr mit dieser Information anfangt ist nun eure Sache
Der ungeduldige sucht nach Zwischenlösungen während der geduldige Spieler auf einen baldigen Patch hofft.

Kommentare:

  1. Ich hab mal deine Beschreibung der Akte übersprungen. Fazit reicht schon. *thumbs up*
    Gerald steht auf jeden Fall auch noch auf dem Programm (PC-Version), muss aber erstmal L.A. Noire fertig spielen.

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  2. Sehr schön zu lesen! :-) Und trotz das Du mir nun mehr Lust auf Gerald gemacht hast, werde ich ihn erst nochmal stehen lassen... ;-)

    Viel Spass weiterhin! :-)

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  3. 1.) Ich liebe ihn!
    2.) Ok, das ganze Spiel ;)
    2.) Juhu, endlich wieder ein längerer und dazu guter Text/Test von dir =)

    Endlich ein Spiel, das hat, was man von einem gutn Spiel und einem Rollenspiel im Besonderen will. Ich bin hin und weg!

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  4. Klasse Test!
    Sag mal, ist Gerald auch was für den routinierten Gamer, der sich schon länger für Rollenspiele interessiert, aber bisher durch die weichgezeichnete Optik und die kitschigen Stories abgeschreckt wurde?

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  5. @Butterbemme
    Soweit ich weiß, wird es vorerst PC-exklusiv bleiben.

    @Elch
    Besser spät(er) als nie. ;)

    @Citara
    Wieder eine gemeinsame Leidenschaft :)

    @Madse
    Definitiv! Das Spiel geizt nicht mit Blut, Sex, bissigem Humor und Fäkalsprache und ist auch sonst meilenweit vom Standart Weichspühl-RPG entfernt. Einzig die sperrigen Menüs bedürfen etwas Einarbeitung.

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  6. *hehe* Blut, Sex, bissiger Humor und Fäkalsprache... Ausgezeichnet!

    Sperrige Menüs können mich nicht schocken, ich bin da (genretypisch für Shooter) durch (oftmals) grottige Konsolenportierungen mehr als leidgeprüft.

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  7. @Madse
    Also gibst du dem Witcher eine Chance?
    Wenn dich noch Zweifel plagen kannst Du Dir ja mal die Stunde der Kritiker zum Spiel antun. Die beiden Herren spielen es zwar auf Leicht, aber es gibt einen guten Einblick auf den Prolog des Spiels und das allgemeine Setting (http://www.gamersglobal.de/video/witcher-2-stunde-der-kritiker)

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  8. Ich fühlte mich sehr hierran erinnert: http://www.penny-arcade.com/comic/2011/5/25/

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Immer schön freundlich! Wer spamt oder rumnörgelt landet schneller im imperialen Papierkorb, als er Hesy-Sa-Neb-Ef sagen kann. ;-)