"Guten Morgen Patoria, es ist ein wunderschöner Tag! Entrollt eure Tentakel und Raus aus den Federn. Das Tagwerk ruft!" Mit diesen Worten reißt mich eine aufdringliche Stimme aus dem Refugium meiner Träume.
Ich wälze mich zum Radio und suche vergeblich nach dem Ausschalter. Dabei stoße ich das Gerät vom Nachtschrank und zufrieden vernehme ich, wie es durch den Aufprall verstummt. Ruhe, diese herrliche Ruhe. Wie gerne würde ich noch ein paar Minuten liegen bleiben, doch ich muss in die Fabrik, ich darf meinen Job nicht verlieren. Ich zwinge mich aufzustehen und taumle schlaftrunken durch mein kleines Einzimmerapartment. Ich stelle verwundert fest, das ich in meiner Arbeitskombination geschlafen habe, schon wieder! Ist das alles, was von meinem Leben geblieben ist? Wie in Trance betätige ich den Sensor für die Fenstersteuerung. Die Scheiben werden transparent und geben den Blick frei auf die grauen Klötze von Patoria City. Beton, Glas und Stahl wo hin das Auge blickt. Es regnet und wie jeden Tag liegt ein dichter Rauchschleier über dem städtischen Industriegebiet. Gleiter, Shuttles und Transportschiffe jagen wie rastlose Insekten vorüber. In diesem Moment würde ich den freundlichen Moderator aus dem Radio gerne in einem der Hochöfen rösten. Was soll an diesem Tag denn wunderschön sein? Schnell wähle ich an der Fenstersteuerung ein zufälliges Program aus. Kurzdarauf durchflutet ein warmes violettes Licht den Raum und ich blicke auf einen malerischen Sonnenaufgang an einer mir unbekannten naturbelassenen Küste. Zweifellos eine Computeranimation, den unbefleckte Natur gibt es auf diesem Planeten schon lange nicht mehr. Ein bitteres Lächeln schleicht sich leise auf meine Züge. Manchmal ist der Schein das einzige was uns auf dieser tristen grauen Welt am Leben hält. Wir verbergen uns hinter Mauern aus Illusionen und glauben kompromisslos an die Wahrheit, welche uns die Oberen diktieren. Die Wahrheit, pah! Hier auf Patoria ist das gleichbedeutend mit einem schlechten Witz der niemals endet, einer Farce, einem faden Theaterstück, einem Song der in den Ohren schmerzt. Doch alle Welt klatscht Beifall. Wofür eigentlich? Dafür das wir tagtäglich ausgebeutet werden? Dafür, das wir im herrschenden Zweiklassensystem dorthin geschoben werden wo unser gesellschaftlicher vorbestimmter Platz ist? Oder ist das auch nur eine Flucht in den sicheren Hafen der Apathie.
Kenne Deinen Platz! Begehre auf und du trägst die Konsequenzen, doch verhältst du dich unauffällig dann kann dir nichts passieren.
Das hat man uns schon seit Kindertagen eingetrichtert. Welch unumstößliche Logik! Ohne Taten kann nie irgendetwas passieren. Das Leben läuft weiter in den von anderen vorbestimmten, tristen Bahnen.
Mein Blick schweift zu der spartanisch ausgestatteten Küchenzeile. Hunger verspüre ich keinen doch nach einigem Zögern gieße ich heißes, graues Wasser auf Kräuter in einer Tasse. Melissen-Tee.
Einer meiner wenigen Freunde hat ihn mir geschenkt. Er sagt das Zeug stamme von einem Planeten mit Namen Erde mit dem unsere Welt handelt treibt. Der exotische Geschmack umspielt meinen Zungen und lässt mich träumen. Ob es auf dieser Erde anders ist als bei uns? Wie eine bittere Pille schlucke ich diese Möglichkeit samt Melissen-Tee herunter. Überall die gleichen Lügen, selbst in meinen Träumen.
Gedanken verloren verlasse ich meine Wohnung, fahre mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss und begegne meiner Nachbarin, die gerade mal wieder ihre Kinder anschreit. Ich wünsche ihr einen schönen Tag mit dem festen Wissen, dass sie den mit Sicherheit nicht haben wird. Sie unterbricht ihr Gezeter und wünscht mir einen angenehmen Arbeitstag. Diese Heuchlerin, sie weiß genau, das ich im Stahlwerk als Schmelzer arbeite und jeder Tag tausend Toden gleicht. Ich nicke ihr und den Kindern freundlich zu, ziehe den Kragen meiner Kombination enger und die Kapuze tief ins Gesicht, dann trete ich hinaus in den Regen, in eine Welt voller Lügner.
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Dienstag, 31. Mai 2011
Mittwoch, 2. Juni 2010
Jagdsaison auf Patoria
Hier ist alles Grau! Es ist ein übles Viertel, in das mich meine Flucht verschlagen hat. Die Slums von Demor sind die letzte Station all derjenigen, die keine Zukunft mehr haben. Ausgestoßene, Flüchtlinge, Aussteiger, sie alle enden irgendwann in diesem dreckigen, verwinkelten Labyrinth aus alten Wohnmodulen und Blechbaracken.
Ich blicke mich gehetzt um. Meine Tentakel zucken nervös, mein Atem geht schnell. Hinter jeder Ecke kann der Jäger lauern. Der kalte Regen durchnässt meine Kombination und lässt mich frösteln. Ich kann nicht mehr weiter, doch ich muss! Weiter, immer weiter! Wenn er mich erwischt, ist es aus. Ich bin Freiwild, von einem kranken System zum Abschuss freigegeben. Als wehrlose Beute ohne Hoffnung und Zukunft. Ich begreife bis heute nicht, wem von der Obrigkeit ich mit meinem Wirken auf die Füße getreten bin. In meinem früheren Leben, noch Gestern um genau zu sein, war ich ein kleiner, unbedeutender Schriftsteller, der von allen ignoriert wurde. Ich verfasste kleine Gedichte und Kurzgeschichten und verdiente meine Lebensunterhalt als Redakteur einer unbedeutenden botanischen Zeitung. Warum wollte man meinen Tod? Die Frage verklingt ungehört in meinem Geist. Ich erwarte ehrlich gesagt auch keine Antwort darauf. Ich hetze weiter, die Todesangst gibt mir Kraft. Noch gebe ich nicht auf, ich will weiter leben! Ein plötzlicher Stoß gegen den Oberkörper reißt mich unvorbereitet von den Beinen. Hart schlage ich auf den steinigen Boden. Ich weiß nicht was für eine Art Waffe mich getroffen hat, aber das ist auch egal. Mühsam kämpft mein Körper die aufkommende Ohnmacht nieder. Panisch versuchen meine Augen den Angreifer auszumachen. Irgendwo, ganz in meiner Nähe lacht jemand. Es ist ein gemeines, boshaftes Lachen und ich weiß, es ist vorbei! Die Jagd ist zu Ende, ich bin am Ende.
"Schau mal einer an. Wenn haben wir denn da?"
Aus einer von dunklen Schatten verborgenen Gasse leuchten mich drei boshaft glühende Augen an. Meine Verzweiflung und Angst weicht plötzlich aufkeimenden Trotz. Trotz gegen das Unausweichliche.
Ich rapple mich mühsam auf und blicke dem Jäger fest in die Augen.
"Ich habe keine Angst vor dir, du Monster. Komm her und hol mich!", die Worte verlassen geflüstert, doch im festen Ton meinen Mund.
Der Jäger lacht schallend.
"Oho, das Schreiberlein hat Mut! Das gefällt mir." Er seufzt gespielt und fügt im herablassenden Tonfall hinzu. "Das ändert aber leider nichts an der Tatsache, dass ich dich so lange umbringen werde bist du tot bist!"
Ein Aufblitzen vor meinen Augen, irres Gelächter eines wahnsinnigen Schlächters, eisige Kälte, umfassende Dunkelheit, dann Nichts mehr.
Mein Name war Alkar Nar Ifit und ich bin gestorben, weil ich meine Gedanken mit anderen teilen wollte. Leicht wie eine Feder gleite ich hinfort in die Arme des ewigen Unsterblichen und ich bereue nichts!
Anmerkung:
Dieses kleine Geschichte über einen der Außenseiter meines Patoria-Universums entstand im Rahmen von JayNightwinds Spiel "Rhetorische Hausaufgabe".
Ich blicke mich gehetzt um. Meine Tentakel zucken nervös, mein Atem geht schnell. Hinter jeder Ecke kann der Jäger lauern. Der kalte Regen durchnässt meine Kombination und lässt mich frösteln. Ich kann nicht mehr weiter, doch ich muss! Weiter, immer weiter! Wenn er mich erwischt, ist es aus. Ich bin Freiwild, von einem kranken System zum Abschuss freigegeben. Als wehrlose Beute ohne Hoffnung und Zukunft. Ich begreife bis heute nicht, wem von der Obrigkeit ich mit meinem Wirken auf die Füße getreten bin. In meinem früheren Leben, noch Gestern um genau zu sein, war ich ein kleiner, unbedeutender Schriftsteller, der von allen ignoriert wurde. Ich verfasste kleine Gedichte und Kurzgeschichten und verdiente meine Lebensunterhalt als Redakteur einer unbedeutenden botanischen Zeitung. Warum wollte man meinen Tod? Die Frage verklingt ungehört in meinem Geist. Ich erwarte ehrlich gesagt auch keine Antwort darauf. Ich hetze weiter, die Todesangst gibt mir Kraft. Noch gebe ich nicht auf, ich will weiter leben! Ein plötzlicher Stoß gegen den Oberkörper reißt mich unvorbereitet von den Beinen. Hart schlage ich auf den steinigen Boden. Ich weiß nicht was für eine Art Waffe mich getroffen hat, aber das ist auch egal. Mühsam kämpft mein Körper die aufkommende Ohnmacht nieder. Panisch versuchen meine Augen den Angreifer auszumachen. Irgendwo, ganz in meiner Nähe lacht jemand. Es ist ein gemeines, boshaftes Lachen und ich weiß, es ist vorbei! Die Jagd ist zu Ende, ich bin am Ende.
"Schau mal einer an. Wenn haben wir denn da?"
Aus einer von dunklen Schatten verborgenen Gasse leuchten mich drei boshaft glühende Augen an. Meine Verzweiflung und Angst weicht plötzlich aufkeimenden Trotz. Trotz gegen das Unausweichliche.
Ich rapple mich mühsam auf und blicke dem Jäger fest in die Augen.
"Ich habe keine Angst vor dir, du Monster. Komm her und hol mich!", die Worte verlassen geflüstert, doch im festen Ton meinen Mund.
Der Jäger lacht schallend.
"Oho, das Schreiberlein hat Mut! Das gefällt mir." Er seufzt gespielt und fügt im herablassenden Tonfall hinzu. "Das ändert aber leider nichts an der Tatsache, dass ich dich so lange umbringen werde bist du tot bist!"
Ein Aufblitzen vor meinen Augen, irres Gelächter eines wahnsinnigen Schlächters, eisige Kälte, umfassende Dunkelheit, dann Nichts mehr.
Mein Name war Alkar Nar Ifit und ich bin gestorben, weil ich meine Gedanken mit anderen teilen wollte. Leicht wie eine Feder gleite ich hinfort in die Arme des ewigen Unsterblichen und ich bereue nichts!
Anmerkung:
Dieses kleine Geschichte über einen der Außenseiter meines Patoria-Universums entstand im Rahmen von JayNightwinds Spiel "Rhetorische Hausaufgabe".
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Aus meiner Feder,
Gedanken,
Patoria
Mittwoch, 13. Januar 2010
Rückkehr nach Patoria
Es ist kalt, dunkel und einsam da draußen, in den Weiten des Alls. Ich glaube die Einsamkeit ist das Schlimmste auf meinen Flügen. Während meine "Fracht" in den Cryokapseln die Jahre verschläft, wache ich allein über den reibungslosen Verlauf der Reise. Ein Flug durch die halbe Galaxis liegt hinter mir. Ein Jahr allein in Stille sind eine verdammt lange Zeit zum Nachdenken. Ich führe Tagebuch, schreibe kleine Geschichten und versuche mich mit Arbeit abzulenken, damit die Zeit schneller vergeht. Mein Blick schweift zum Display des Autopiloten - noch 4 Monate bis zum Ziel.
Nachts, wenn ich schlafe, träume ich schon lange nicht mehr, denn meine Träume sind inzwischen Teil meines Wachseins geworden und helfen mir nicht verrückt zu werden. Meist stehe ich dann auf den Wiesen meines Heimatorts am Fuß des imposanten Kita-Gebirges und stelle mir ein typisches Sommergewitter vor. Warmer Regen durchnässt meine Kleider und zwischen meinen nackten Zehen fühle ich das feuchte Gras. In diesem Moment glaube ich die vom Regen gereinigte Luft riechen zu können und dazwischen kitzelt den angenehm würzige Duft von Botaik-Eintopf meine Nase. Unverkennbar, es riecht ganz so, wie meine Frau ihn immer zubereitet. Mein Herz wird schwer als ich an "Zu Hause" denke. Wie gern wäre ich jetzt dort bei meiner Frau und meinen Kindern.
Ein Alarmsignal holt mich in die Realität zurück und ein Beben durchläuft das Schiff. Ich schüttle die letzten Reste Heimat von mir ab. Meine Tentakel fliegen über die Kontrollen, während die kühle Stimme des Bordcomputers das Ausmaß des Schadens schildert. Eines der Haupttriebwerke ist soeben ausgefallen und eine Reparatur mit bordeigenen Mitteln unmöglich. Gelähmt blicke ich auf die Statusanzeigen. Die Geschwindigkeit verringert sich immer mehr und stabilisiert sich erst bei 35% der Maximalleistung. Dadurch verlängert sich die Flugzeit bis Patoria auf ein Jahr. Ich seufze und ringe mit den Tränen. Wie gern würde ich jetzt auf der von Regen getränkten Wiese stehen. Der Gedanke daran gibt mir Kraft. Irgendwann werde ich wieder zu Hause sein und meine Frau und die Kinder in meine Tentakel nehmen können. Ich setzte einen Funkspruch Richtung Heimat ab, schließe alle drei Augen und beginne wieder zu träumen - Von meiner Rückkehr nach Patoria. Dabei wird mir eins klar ...
Nachts, wenn ich schlafe, träume ich schon lange nicht mehr, denn meine Träume sind inzwischen Teil meines Wachseins geworden und helfen mir nicht verrückt zu werden. Meist stehe ich dann auf den Wiesen meines Heimatorts am Fuß des imposanten Kita-Gebirges und stelle mir ein typisches Sommergewitter vor. Warmer Regen durchnässt meine Kleider und zwischen meinen nackten Zehen fühle ich das feuchte Gras. In diesem Moment glaube ich die vom Regen gereinigte Luft riechen zu können und dazwischen kitzelt den angenehm würzige Duft von Botaik-Eintopf meine Nase. Unverkennbar, es riecht ganz so, wie meine Frau ihn immer zubereitet. Mein Herz wird schwer als ich an "Zu Hause" denke. Wie gern wäre ich jetzt dort bei meiner Frau und meinen Kindern.
Ein Alarmsignal holt mich in die Realität zurück und ein Beben durchläuft das Schiff. Ich schüttle die letzten Reste Heimat von mir ab. Meine Tentakel fliegen über die Kontrollen, während die kühle Stimme des Bordcomputers das Ausmaß des Schadens schildert. Eines der Haupttriebwerke ist soeben ausgefallen und eine Reparatur mit bordeigenen Mitteln unmöglich. Gelähmt blicke ich auf die Statusanzeigen. Die Geschwindigkeit verringert sich immer mehr und stabilisiert sich erst bei 35% der Maximalleistung. Dadurch verlängert sich die Flugzeit bis Patoria auf ein Jahr. Ich seufze und ringe mit den Tränen. Wie gern würde ich jetzt auf der von Regen getränkten Wiese stehen. Der Gedanke daran gibt mir Kraft. Irgendwann werde ich wieder zu Hause sein und meine Frau und die Kinder in meine Tentakel nehmen können. Ich setzte einen Funkspruch Richtung Heimat ab, schließe alle drei Augen und beginne wieder zu träumen - Von meiner Rückkehr nach Patoria. Dabei wird mir eins klar ...
PENDELN IST EIN ARSCHLOCH!
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Aus meiner Feder,
Gedanken,
Patoria
Freitag, 4. September 2009
Im grauen Wald
Grau, ist unsere Welt!
Dieser Erkenntnis habe ich schon als Kind getroffen.
Wir leben so dahin, in den uns vorgegebenen Grenzen, kümmern uns nicht um das Wohl und die Sorgen anderer, lassen uns vom Strom mitreißen.
Ich aber bin anders, ich bin ein Held! Ich wehre mich mit aller Kraft gegen diese triste, gleichgültige Welt. Ich schwimme gegen den Strom.
Mein Erlebnis mit dem Mädchen hat mich nachdenklich gemacht. Ist es auf dieser Erde auch so wie auf Patoria - kalt, unpersönlich und grau?
Grau, ich hasse diese Farbe! Täglich sehe ich Patorianer in grauen Anzügen über graue Wege gehen, in grauen Restaurants sitzen und graues Fleisch essen. Grau, dominiert unsere Welt, selbst der Himmel ist die meiste Zeit grau. Die wenigen Sonnentage im Jahr lassen mich förmlich aufblühen, doch nun sind sie vorbei. Ich vermisse das warme, violette Licht unserer Sonne und träume vom nächsten patorianischen Sommer.
Die Augen der Anderen nehmen mich nicht wahr. Ihre Kopftentakel zucken gleichgültig im Takt der Masse. Keiner sieht, dass ich anders bin und das trotz meiner auffallend violetten Kombination.
Zärtlich streiche ich den Stoff glatt und lächle. Ich schwimme gegen die Massen an, denn ich trage die Sonne an und in mir.
Wie eine leuchtende Blume gehe ich weiter, durch diesen grauen Wald, der unsere Welt bedeckt und bringe ein wenig Farbe in den tristen Alltag auf Patoria.
Dieser Erkenntnis habe ich schon als Kind getroffen.
Wir leben so dahin, in den uns vorgegebenen Grenzen, kümmern uns nicht um das Wohl und die Sorgen anderer, lassen uns vom Strom mitreißen.
Ich aber bin anders, ich bin ein Held! Ich wehre mich mit aller Kraft gegen diese triste, gleichgültige Welt. Ich schwimme gegen den Strom.
Mein Erlebnis mit dem Mädchen hat mich nachdenklich gemacht. Ist es auf dieser Erde auch so wie auf Patoria - kalt, unpersönlich und grau?
Grau, ich hasse diese Farbe! Täglich sehe ich Patorianer in grauen Anzügen über graue Wege gehen, in grauen Restaurants sitzen und graues Fleisch essen. Grau, dominiert unsere Welt, selbst der Himmel ist die meiste Zeit grau. Die wenigen Sonnentage im Jahr lassen mich förmlich aufblühen, doch nun sind sie vorbei. Ich vermisse das warme, violette Licht unserer Sonne und träume vom nächsten patorianischen Sommer.
Die Augen der Anderen nehmen mich nicht wahr. Ihre Kopftentakel zucken gleichgültig im Takt der Masse. Keiner sieht, dass ich anders bin und das trotz meiner auffallend violetten Kombination.
Zärtlich streiche ich den Stoff glatt und lächle. Ich schwimme gegen die Massen an, denn ich trage die Sonne an und in mir.
Wie eine leuchtende Blume gehe ich weiter, durch diesen grauen Wald, der unsere Welt bedeckt und bringe ein wenig Farbe in den tristen Alltag auf Patoria.
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Patoria
Montag, 31. August 2009
Schuld ohne Sühne
Die Sonne scheint in hellem Violett. In der Mittagshitze aalen sich die halbnackten, braunen Leiber am schwarzen See. Irgendwo weint ein Mädchen. Mein Blick schweift umher bis ich die Kleine entdecke. Sie liegt am Boden, umringt von anderen Kindern. Sie beschimpfen sie, spucken, treten nach ihr. Keiner schreitet ein. Mit schnellen Schritten bin ich bei der kleinen Gruppe und beende das grausige Spiel mit fester Stimme.
"Was ist hier los?" Die Gruppe löst sich auf, nur ein kleiner dicker Junge blickt mich trotzig an.
"Das geht dich nichts an, du Penner."
Ich blicke ihm fest in die Augen. "Glaubst du das wirklich?", frage ich mit ruhiger Stimme. "Wenn Ungerechtes geschieht geht uns das alle an."
Verunsichert von meiner Reaktion beginnt er von einem Bein auf das andere zu tänzeln.
"Sind sie der Aufpasser von der da?", fragt er und zeigt mit verächtlichen Blick auf die Kleine, die noch immer schluchzend im roten Gras liegt. Es fröstelt mich angesichts soviel emotionalen Kälte. "Spielt das eine Rolle?", frage ich, kniee mich neben dem Mädchen nieder und begutachte ihre Verletzungen. Ihr Körper ist zerschunden, die Kleidung verdreckt. Vorsichtig streiche ich ihr mit der Hand durchs Haar und lasse sie schließlich auf ihrer Stirn ruhen. "Alles wird gut.", flüstere ich und lasse meinen Kräften freien lauf. Ihre Wunden beginnen sich zu schließen. Der dicke Junge tritt neben mich und blickt fasziniert auf das Geschehen. Unsere Köpfe befinden uns auf einer Ebene. "Ihr seid noch so Jung und hasst schon wie die Erwachsenen.", stelle ich resignierend fest.
Der Kleine meidet meinen Blickkontakt, zieht die Nase hoch und erwidert trotzig, "Die blöde Kuh hat behauptet, sie ist genau so Patorianer wie wir, dabei sieht doch jeder, das sie anders ist."
"Und wer sagt dir, wie ein "echter" Patorianier aussieht?
"Jedenfalls nicht so wie die da!", weicht er meiner Frage aus.
Ich schüttle angesichts von so viel Ignoranz den Kopf. Ekel überkommt mich, als ich an das soziale Umfeld denke, dem der Junge entstammt und in dem Moment schäme ich mich Patorianer zu sein. Meine beiden Kopftentakel sträuben sich und zucken in die Richtung des Jungen. Erschrocken ergreift dieser schreiend die Flucht und ist Sekunden später zwischen den Leibern am Strand verschwunden. Keiner nimmt Notiz von uns. Alle sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
Ich helfe dem Mädchen auf, mustere sie von Kopf bis Fuß und lächle sie freundlich an. Mein drittes Auge halte ich geschlossen. Ihre Spezies ist mir unbekannt, blasse Haut, nur zwei Augen, keine Kopftentakel und mandelbraunen Augen in dehnen man glaubt versinken zu können.
"Danke!" sagt sie schluchzend.
"Wo kommst du her?, frage ich sie.
"Aus der Stadt! Meine Eltern sind Botschafter hier auf Patoria. Ursprünglich kommen sie von der Erde, aber ich bin hier geboren."
Ich versuche mich an einen Planeten mit Namen Erde zu erinnern, erfolglos. Die Galaxis ist einfach zu groß und ich nur ein gewöhnlicher Bürger, der noch nie den Planeten verlassen hat. In Gedanken beschließe ich aber, mehr über diese "Erde" in Erfahrung zu bringen. An das Mädchen gewandt sage ich, "Komm, ich bringe Dich nach Hause"
Als wir gemeinsam den Weg zurück zur Stadt einschlagen, greift sie nach meiner Hand und hält mich zurück.
"Bis du ein Held?"
Ich lächle sie wissend an, "Ja, so könnte man mich nennen."
Sie lächelt zaghaft zurück und erwärmt dadurch mein Herz.
"Glaubst du, ich könnte auch ein Held werden?, fragt sie mich schüchtern.
Ich nicke, "In jedem von uns steckt ein Held. Wir müssen ihn nur finden und heraus lassen."
Sie blickt mich aus ihren wunderschönen Augen an und ich sehe darin Entschlossenheit.
"Dann werde ich ihn solange suchen, bis ich ihn gefunden habe."
Wir gehen weiter durch diese Welt voller Schuld, doch in diesem Moment verspüre ich keine Sühne, denn ich habe den Helden in mir gefunden.
"Was ist hier los?" Die Gruppe löst sich auf, nur ein kleiner dicker Junge blickt mich trotzig an.
"Das geht dich nichts an, du Penner."
Ich blicke ihm fest in die Augen. "Glaubst du das wirklich?", frage ich mit ruhiger Stimme. "Wenn Ungerechtes geschieht geht uns das alle an."
Verunsichert von meiner Reaktion beginnt er von einem Bein auf das andere zu tänzeln.
"Sind sie der Aufpasser von der da?", fragt er und zeigt mit verächtlichen Blick auf die Kleine, die noch immer schluchzend im roten Gras liegt. Es fröstelt mich angesichts soviel emotionalen Kälte. "Spielt das eine Rolle?", frage ich, kniee mich neben dem Mädchen nieder und begutachte ihre Verletzungen. Ihr Körper ist zerschunden, die Kleidung verdreckt. Vorsichtig streiche ich ihr mit der Hand durchs Haar und lasse sie schließlich auf ihrer Stirn ruhen. "Alles wird gut.", flüstere ich und lasse meinen Kräften freien lauf. Ihre Wunden beginnen sich zu schließen. Der dicke Junge tritt neben mich und blickt fasziniert auf das Geschehen. Unsere Köpfe befinden uns auf einer Ebene. "Ihr seid noch so Jung und hasst schon wie die Erwachsenen.", stelle ich resignierend fest.
Der Kleine meidet meinen Blickkontakt, zieht die Nase hoch und erwidert trotzig, "Die blöde Kuh hat behauptet, sie ist genau so Patorianer wie wir, dabei sieht doch jeder, das sie anders ist."
"Und wer sagt dir, wie ein "echter" Patorianier aussieht?
"Jedenfalls nicht so wie die da!", weicht er meiner Frage aus.
Ich schüttle angesichts von so viel Ignoranz den Kopf. Ekel überkommt mich, als ich an das soziale Umfeld denke, dem der Junge entstammt und in dem Moment schäme ich mich Patorianer zu sein. Meine beiden Kopftentakel sträuben sich und zucken in die Richtung des Jungen. Erschrocken ergreift dieser schreiend die Flucht und ist Sekunden später zwischen den Leibern am Strand verschwunden. Keiner nimmt Notiz von uns. Alle sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
Ich helfe dem Mädchen auf, mustere sie von Kopf bis Fuß und lächle sie freundlich an. Mein drittes Auge halte ich geschlossen. Ihre Spezies ist mir unbekannt, blasse Haut, nur zwei Augen, keine Kopftentakel und mandelbraunen Augen in dehnen man glaubt versinken zu können.
"Danke!" sagt sie schluchzend.
"Wo kommst du her?, frage ich sie.
"Aus der Stadt! Meine Eltern sind Botschafter hier auf Patoria. Ursprünglich kommen sie von der Erde, aber ich bin hier geboren."
Ich versuche mich an einen Planeten mit Namen Erde zu erinnern, erfolglos. Die Galaxis ist einfach zu groß und ich nur ein gewöhnlicher Bürger, der noch nie den Planeten verlassen hat. In Gedanken beschließe ich aber, mehr über diese "Erde" in Erfahrung zu bringen. An das Mädchen gewandt sage ich, "Komm, ich bringe Dich nach Hause"
Als wir gemeinsam den Weg zurück zur Stadt einschlagen, greift sie nach meiner Hand und hält mich zurück.
"Bis du ein Held?"
Ich lächle sie wissend an, "Ja, so könnte man mich nennen."
Sie lächelt zaghaft zurück und erwärmt dadurch mein Herz.
"Glaubst du, ich könnte auch ein Held werden?, fragt sie mich schüchtern.
Ich nicke, "In jedem von uns steckt ein Held. Wir müssen ihn nur finden und heraus lassen."
Sie blickt mich aus ihren wunderschönen Augen an und ich sehe darin Entschlossenheit.
"Dann werde ich ihn solange suchen, bis ich ihn gefunden habe."
Wir gehen weiter durch diese Welt voller Schuld, doch in diesem Moment verspüre ich keine Sühne, denn ich habe den Helden in mir gefunden.
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